Freitag, 9. Juni 2006

Where is the Youth?!

dmc

Lieber Douglas,
lieber Vaughn,

Nitzer Ebb sind für mich eine besondere Band. Dafür ist natürlich vor allem Eure Musik verantwortlich. Aber auch die Tatsache, daß es Liebe auf den zweiten Blick war.
Anfangs wollte ich Euch nämlich nicht mögen. So eine Pubertäts-Geschichte, wißt Ihr. Es lohnt sich gar nicht, das genauer auszuführen. Irgendwann war die Musik allerdings zu gut, um sie nicht mehr mögen zu können und so wurde das Aufstampfen mit dem Fuß aufgegeben. Vielmehr getauscht gegen das beidfüßige Stampfen - diesmal nicht aus Trotz, sondern mit Begeisterung beim Tanzen.
Unsere Beziehung blieb trotzdem schwierig. Als ich gerne eine Tour besuchen wollte, hatte ich noch kein Auto - noch nichtmal einen Führerschein. Und den wenigen Freunden, die tatsächlich meinen Musikgeschmack teilten, ging es nicht anders.
Als ich einige Jahre später ein Konzert hätte besuchen können, wollte ich nicht mehr. Ich war wirklich enttäuscht von Eurem letzten Album. Das hatte dann weniger mit Trotz zu tun als mit echtem Mißfallen. Tapfer höre ich mir die Platte immer wieder an, aber bis heute ist es mit dem Mögen nichts geworden.

Und dann wart Ihr weg. Getrennt. Für immer. Scheinbar. Und ich habe bereut, nicht zur Tour gekommen zu sein. Jahre hat es gedauert, dann hat Euch irgendetwas wieder auf der Bühne zusammengeführt. Vielleicht Geldmangel, vielleicht mögt Ihr Euch auch einfach wieder, obwohl Ihr damals im Streit auseinander gegangen wart.

Meine Freude war riesig und so scheute ich den Weg nach Antwerpen nicht. Jetzt bin ich wieder zu Hause angekommen, so ganz glücklich bin ich allerdings nicht geworden mit dem Konzert.

Nicht, daß wir uns mißverstehen: Ich bin froh, daß ich dort war. Ich hätte mich ewig geärgert, hätte ich mir den Weg nicht gemacht. Aber mitreißen konntet Ihr mich leider nicht.

Vielleicht lag es daran, daß Eure Beleuchter schon in WM-Stimmung waren und die Bühne in ein Stadion bei Flutlicht verwandeln wollten. So viel Licht...doch wo waren die Stroboskope, wo der Nebel?

Vielleicht lag es auch an der Show. Weshalb habt Ihr das magere Mädchen an die Drums gestellt, das dort herumhüpfte, als wollte sie mit Jane Fonda eine Aerobic-Video drehen? Ihr habt damit Bon so arbeitslos gemacht, daß er sich die meiste Zeit als Andrew-Fletcher-Gedächtnis-Einklatscher betätigen mußte. Und Douglas, Du alte Rampensau, was war mit Dir? Natürlich, Du bist nicht mehr der wütende 20jährige, der Du mal warst. Und trotzdem weiß ich, daß Du viel mehr Präsenz auf die Bühne bringen kannst. Möglicherweise hattest Du einen schweren Tag und wirktest deshalb schon nach "Godhead" ziemlich erschöpft. Nunja, nach einer guten Stunde habt Ihr dann auch beschlossen, daß es genug für einen Abend wäre.

Vielleicht lag es am Sound. Ich war wirklich erfreut, daß Ihr moderate 17 Euro Eintritt verlangt habt. Heute ist man schon gewöhnt, für hundsmiserable Newcomer mehr hinblättern zu müssen, da ist dieser Preis für eine Kultband wirklich eine schöne Sache. Andererseits habt Ihr wohl auch ein wenig bei der Vorbereitung gespart. Möglicherweise ist Euer Mann am Mischpult schuld - schließlich hat er auch zunächst Bons Drumkit so leise ausgesteuert, daß fast kein Ton in den Saal drang, wie sehr er sich auch bemühte. Aber war er auch schuld daran, daß der Sound so schrecklich breiig war? Und hat er die gesamten Bässe in einen großen Kasten gepackt und mit der Post nach Mombasa verschifft? Sie waren nämlich kaum vorhanden. Es hörte sich jedenfall so an, als hättet Ihr Eure eigenen CDs gerippt und anschließend die Stimme (und noch so einiges mehr) versucht herauszumischen. Früher wirkten Eure Stücke so scharf, daß man sich damit hätte rasieren können. Dieses Mal waren die Synthesizer-Sequenzen oft kaum wahrzunehmen. Die Bläser in "Lightning Man" waren praktisch nicht vorhanden. Und noch nie habe ich "Captivate" oder "Blood money" so kraftlos gehört.

Vielleicht liegt auch alles nur daran, daß wir inzwischen 10 Jahre älter geworden sind. Aber irgendwie habe ich ernsthafte Zweifel an dieser Theorie. Trotzdem habt Ihr eine riesige Moshpit begeistert und Eure Ordner mußten wie früher die Jungs von der Bühne werfen, die sich das Hemd heruntergerissen hatten und nach oben gestürmt waren. Möglicherweise waren das dieselben, die später vor Euch Liegestütze gemacht und Euch mit dem Text von "Violent Playground" angesungen haben. Wir haben jedenfalls sehr gelacht. Leider hatten wir im Gegensatz zu ihnen keine Hosenträger an, auf die wir hätten Autogramme erbitten können.

Wie auch immer: Es war schön, Euch gesehen zu haben. Und einen Saal, der die Hände hochreckt und immer wieder "Fire!" ruft.
"See you next time", habt Ihr gesagt und so soll es sein. Wann immer das auch sein wird.

Power Of Voice

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