Rezensionen

Donnerstag, 1. Juni 2006

KMFDM - Ruck Zuck

ruckzuck
(Metropolis)

Käpt’n Konietzko ist der Ansicht, „Hau Ruck“ sei das beste Album, das KMFDM je produziert haben. Klar, das denken Musiker immer. Tatsächlich drängt sich aber der Verdacht auf, daß es sich die Band allmählich in ihrem ureigenen Sound etwas bequem gemacht hat, ebenso wie im allseits beliebten Bush-Bashing. Sicher, mit „Intro“ hat man schon 2003 die augenzwinkernde Rechtfertigung ein für allemal festgeschrieben: „Nothing new, it's the same old shit. If it works this good, why fuck with it?“ Trotzdem kann es nicht schaden, wenn „Hau Ruck“ mit „Ruck Zuck“ noch mal aufgemischt wird. Warum die Welt noch eine Coverversion von „Der Mussolini“ braucht, bleibt zwar eine offene Frage. Ebenso wie das nicht eingelöste Versprechen, nach einer Bush-Wiederwahl nach Deutschland zurückzukehren. Trotzdem sorgt diese Remix-EP mit reduziertem Katzendarm für eine angenehme Frischluft-Zufuhr und dokumentiert, daß „kickin’ ass“ keine Frage des Alters ist, sondern der Einstellung.

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Montag, 22. Mai 2006

Plastic Noise Experience - Dead or alive

pne
(Alfa Matrix / Soul Food)

Was machen Musiker, wenn es mit der Karriere etwas klemmt? Alte Erfolge noch mal aufpolieren. Plastic Noise Experience gehörten Anfang der 90er zu einer vielversprechenden Generation neuer EBM-Bands und das Knüppel-Album "Transmission" war zurecht ein Erfolg. Der kompromisslose Maschinen-Sound paßte perfekt zum Zeitgeist. Daß es mit einer ganz großen Karriere für Claus Kruse nichts wurde, dürfte rückblickend darauf zurückzuführen sein, daß PNE sich meist damit genügten, Pionierbands nachzueifern, anstatt die Grenzen der Musik neu abzustecken. Wenn nun alte Smasher wie "Das Ritual" oder "Reduction" mit neuen Gerätschaften aufgehübscht und in kaum veränderter Form nochmal eingespielt werden, bleibt dies ein Schaulaufen für die Mumienabteilung im Museum. Eine Veröffentlichung, auf die nun wirklich niemand gewartet hat, denn die Welt hat sich weitergedreht. Lieber noch mal das Original rauskramen, die authentische Atmosphäre aufsaugen und als Stahlbolzen ausatmen.

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Mittwoch, 17. Mai 2006

Leæther Strip - Walking on volcanos

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(Alfa Matrix / Soul Food)

Seit 1997 hatten die Fans von Leæther Strip nach dem großartigen “Self inflicted” auf ein neues Album warten müssen. Claus Larsen aus Dänemark, einer der härtesten Vertreter der Electronic Body Music, hatte danach geschwiegen - bis auf eine Soft Cell Cover-EP und die eher mißratene Single „Carry me“. Larsen schien die Musik aus persönlichen Gründen für immer an den Nagel gehängt zu haben, bis Anfang dieses Jahres das Doppelalbum „After the devastation“ überraschend ein Comeback markierte – übrigens auch für das Nebenprojekt Klute, das wegen des zwischenzeitlich etablierten Drum’n Bass Acts gleichen Namens jetzt als ‚Klutæ’ firmiert. Offenbar hat Claus einiges nachzuholen, denn er sprudelt gleich noch eine ziemlich umfangreich bestückte EP hinterher. Leider ist Leæther Strip irgendwann während der langen Pause offenbar der Biß abhanden gekommen. Im Vergleich mit seinem Frühwerk wirkt das gesamte neue Material ziemlich bieder, da helfen auch kontroverse Themen nicht weiter. So ganz scheint Æ zudem nicht in der musikalischen Gegenwart angekommen zu sein. Und daß Masse alleine kein Garant für starke Sounds ist, dürfte eine Binsenweisheit sein. Schade, aber auch der Tanz auf dem Vulkan ist vor allem viel heiße Luft.

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Montag, 1. Mai 2006

Miss Yetti - Insights

missyetti
(Gold & Liebe/Neuton)

Henrietta Schermall mag EBM, das ist bekannt - nicht zuletzt durch ihr Debütalbum 'Out of control'. Da sie als DJ eine gute Figur abgibt, sehen einschlägige Medien gerne großzügig über eingeschränktes Talent bei Eigenproduktionen hinweg. Gut gemeintes Schönreden macht die Musik allerdings nicht besser. Und so sind die neuen Innenansichten ihres Klanggebäudes in günstigen Momenten wie atmosphärische Dive-Stücke eingerichtet, in ungünstigen einfach sehr karg und belanglos. Da die Tracks größtenteils instrumental sind, kann logischerweise auch keine 'Power of Voice' zusätzliches Fleisch an die mageren Song-Skelette bringen. Einige schöne Verläufe sind schon dabei, aber für ein Listening-Album mangelt es 'Insights' schlicht an originellen Ideen.

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Montag, 13. März 2006

Kattoo - Megrim

kattoo_megrim
(Hymen)

Soundtrack für einen imaginären Film. Kennt man ja: gähn und so weiter. Moment mal. Wir sprechen hier von Kattoo. Daß Volker Kahl eine Hälfte von Beefcake stellt, hört man auch seinen Solo-Produktionen in jeder Faser an. Er hat das Gespür für dramatische Momente und kleine Melodien, die seine Platten zu etwas Besonderem machen. Wie üblich hat er seine ganze Kreativität in die Musik fließen lassen und dafür bei den Namen gespart – sämtliche Tracks sind wieder unbetitelt und gehen ineinander über. „Megrim“ könnte tatsächlich ein Filmscore sein und ist doch weitaus abwechslungsreicher, spannender als man möglicherweise erwartet. Das Album erzählt geschickt seine Dramaturgie, startet mit orchestralem Arrangement, läßt das Adrenalin mit ergreifenden Streichern steigen, die knapp vor der Kitschgrenze zurückziehen, führt ein liebliches Piano-Thema ein, leitet über in rhythmische Passagen, spielt mit fremdartigen Vokalsamples, läßt seine Beats im Hintergrund brechen, schafft wieder Raum für ambiente Atmosphären, um alles in einem Finale zusammenzufassen. Eine wirklich hübsche Platte, die berührt.

*** *

Richard Bartz - Big

bartzbig
(Kurbel/Neuton)

‚Fighting with the Synthesizers of Doom’ steht auf dem schwarzen Cover. Hier kommen keine Zweifel auf: Bartz is böööse. Jawohl. Hände an die Wand, Beine breit uns los geht’s. Die House-Anteile von „Midnight Man“ sind über Bord gegangen und Bruder Bartz läßt seine Maschinen sinistre Neo-EBM-Sequenzen hämmern, während man sich im Beiheft Lack- und Leder-Bilder anschauen und eine wirre Fetisch-Phantasie dazu lesen darf. Nichts als ererbte Gigolo-Attitüde?! Gleich das erste Stück "Atomic Dog" erteilt auch verbal den Tanzbefehl. So sind Befürchtungen unbegründet, einer reinen Imgae-Sprechblase aufzusitzen – „Big“ ist tatsächlich groß und hat kompromisslos durchgebratene Stücke zu bieten, die dringend auf der Tanzfläche ausprobiert werden müssen. Ab in den Clinch mit den Synthesizers of Doom.

*** *

Covenant - Skyshaper

skyshaper
(Synthetic Symphony/SPV)

Das 2002er-Album „Northern Light“ war das bis dato poppigste Werk von Covenant. Die gespaltenen Reaktionen darauf und der Kollaps ihres Labels ka2 leiteten die schwierigste Phase der Band ein, aus der sie jetzt gestärkt hervorgehen. Das sechste Studioalbum „Skyshaper“ klingt deutlich kantiger als der polierte Vorgänger und enthält schroffe Sounds, an denen man sich den Gaumen aufreißen könnte, wären sie nicht mit gefälligen Melodie-Hooks gepolstert. Im Hörlabor ist dennoch festzustellen, dass vier von fünf Testpersonen nach dem ersten Hördurchgang allenfalls milde lächeln. Der gewohnte Dampf der Schweden wird stark gedeckelt und der Gesang von Eskil Simonsson wirkt weniger entschlossen, zuweilen zerbrechlich. Mit jedem weiteren Durchlauf entfaltet das Album jedoch seine Blütenblätter eines nach dem anderen. „Skyshaper“ reckt sich zum Himmel und seine Songs wachsen unaufhörlich, ob es sich um die bitter-süße Analog-Ballade „Happy Man“ handelt, oder um das verwegene „Greater than the sun“. Als Einführung in den anspruchsvollen Stoff dient die erste Single „Ritual Noise“. Sie bündelt Covenants typische Club-Qualitäten zwischen EBM, Pop und Dance und dient somit als Öffner für die weiteren Stücke, zu denen man weniger leicht Zugang findet. Covenant handeln nicht mit dem Offensichtlichen, ihre Musik dringt tiefer. Um es mit einem älteren Text der Band zu sagen: “Like diamonds in the ground we are waiting to be found.” So wird „Skyshaper“ im Laufe der Zeit sein Punktekonto noch anwachsen lassen.

***

Die Punkte

*** ** = spitze
*** * = gut
*** = nicht schlecht
** = naja
* = igitt

Donnerstag, 29. Dezember 2005

Rezensionen für Millionen

In dieser Rubrik werden wir nach und nach Platten vorstellen. Wichtig ist uns dabei vor allem, daß nichts "beschönigt" wird. Es gibt ja das Phänomen, daß häufig über eine "Flut schlechter Veröffentlichungen" gejammert wird, aber nirgends schlechte Kritiken zu lesen sind.
Wir wollen daher "erfrischend subjektiv" sein.

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